Österreich

Rote Nazi-Waschmaschine

Der BSA: Außen rot und innen braun

Ergänzend zu den Aufzeichnungen Peter Sichrovskys über sein Gespräch mit Jörg Haider über Antisemitismus sei an dieser Stelle an eine Studie erinnert, die der Bund Sozialistischer Akademiker unter Sepp Rieder und Caspar Einem in Auftrag gab. Das profil berichtete 2005.

(profil) »In der SPÖ galten sie oft als Witzfiguren: Sollten die Genossen ihre Organisation vielleicht BSSA nennen? Und habe nicht der alte Kreisky in seinen Memoiren zu Recht gefragt, was das B im Namen des SPÖ-Akademikervereins BSA verloren habe?

Hunderte ehemalige NSDAP-Mitglieder, das wusste jeder, fanden über die Mitgliederkartei des Bundes Sozialistischer Akademiker den Weg in die neue Republik. Blütenweiß traten ehemalige NS-Schergen dank der Nazi-Waschmaschine BSA den Weg in die neue Zeit an.

Die heute unfassbaren Vorgänge sind nur vor der düsteren Kulisse der ersten Nachkriegsjahre zu verstehen. Im April 1945 standen sämtliche Posten der neuen Republik zur Disposition. Für die ÖVP war das kein Problem: Die Bürgerlichen konnten auf das Akademiker-Reservoir des CV zurückgreifen, außerdem standen viele Funktionäre des Austrofaschismus zur Verfügung. Manche allerdings nicht sofort gegen die Rückkehr des ehemaligen Heimwehrführers Julius Raab in die Politik erhob die US-Besatzungsmacht Einspruch. Erst nach einer Schamfrist in der Wirtschaftskammer durfte Raab 1953 Bundeskanzler werden.

Die Sozialdemokraten hatten ernste Probleme. Sie waren in der Ersten Republik eine klassische Arbeiterpartei mit dünner intellektueller Führungsschicht gewesen, die zum großen Teil aus Juden bestand. Viele der Spitzenfunktionäre waren im KZ umgekommen oder im Exil gestorben, wie etwa Chefideologe Otto Bauer. Für eine Macht im Staat fehlte der SPÖ einfach das Personal.

Gleichzeitig waren 700.000 Österreicher NSDAP-Mitglied gewesen und nach Kriegsende kaltgestellt. Die Sozialdemokratie befand sich in einem Dilemma von moralischem Anspruch und machtpolitischem Kalkül und gab offensichtlich Letztem den Vorzug, schreiben Neugebauer und Schwarz in ihrer Studie.«

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