Funksprüche Mitten im Leben

Carpe Dürüm

Philosophieren am Kebab-Stand

Auch Taxler haben Gefühle. Hunger, zum Beispiel, oder Durst. Um beides zu stillen, fahre ich nach der Schicht zum Ali, der in Ottakring einen Kebab-Stand betreibt.

Auch Ali ist „a Gastarbeiter-Bua“. Nur, dass sein Vater damals in den 70ern aus Istanbul nach Wien kam, und meiner aus Draginje in Serbien.

Ali schält das Hammelfleisch fast zärtlich vom Spieß, da gesellt sich der blade Otto zu uns. Ein 150-kg-Kerl, den ich 1x pro Woche ins Spital kutschieren muss. Zucker-Kontrolle.

Der blade Otto wählt blau, wie er gerne erklärt, weil er „mog kane Auslända“. „Die heiligen drei König hom heier umasunst bei mir klingelt“ knurrt er stolz.

„Warum, Otto, weil einer von denen ein Schwarzer ist?“

„Naaa, owa ich schick ka Göd da owe nach Afrika. Des Anzige, wos i durt hin schicken tat waradn die Schwoazn söwa, die bei uns umadum sandeln.“ Otto kommt nun in Fahrt: „Und übahaupt, überall nur mehr Schwoaze, Jugos und Kopftiachln.“

Ich grinse, Ali lächelt milde. Was Otto, der zwar blad, aber nicht blöd ist, bemerkt. „Ihr Zwa, des is wos onderes. Ihr geht’s ma jo ned am Nerv mit irgendana deppaten Religion. Oder?“

„Hamma a Religion, Ali?“ frag ich meinen Freund. Der schüttelt den Kopf. Ich beiße in meinen Döner: „Najo, vielleicht: Carpe Dürüm – des is mei Religion.“

Und damit ist alles zu dem Thema gesagt.

 

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