Türkei

Angeklagt in der Türkei

„Ich verteidige mich hier nicht. Ich klage an.“

(taz gazete) »Ahmet Şık ist einer der prominentesten Journalisten der Türkei und sitzt seit dem 29. Dezember in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Terrororganisationen zu unterstützen. Im Justizpalast von Istanbul steht er seit Montag mit den anderen Angeklagten vor Gericht. Am späten Mittwochnachmittag durfte er seine Stellungnahme abgeben. Wir dokumentieren im Folgenden Auszüge aus seiner eineinhalbstündigen Rede.

Ahmet Şık beginnt seine Verteidigung mit einem Zitat aus dem Vorwort seines Buches „Wir sind diese Wege zusammen gegangen“ von 2014. Die langjährige Koalition zwischen der AKP und der Gülen-Bewegung, die vor dem Putsch bereits endete, sei eine „mafia-artige-Regierung“ gewesen. Ausführlich erörtert er die enge Beziehung zwischen der AKP-Regierung und den Gülenisten, die dazu gedient habe, die „Macht über den Staat“ zu erlangen. Dieses Ziel sei der Grund gewesen, die die Partner zusammenbrachte. Aber auch der Grund, warum sie sich wieder entzweit hätten.

Şık vergleicht die Beziehung mit einer explodierenden Kanalisation: „Ja, es war eine Schweinerei und es ist immer noch eine Schweinerei. In dieser Schlacht, in der Ethik und Religion nur benutzt werden, spielen die Lügen eine größere Rolle als die Wahrheit. Dieser Krieg ist nicht einer, der für die Demokratie und eine saubere Gesellschaft geführt wird, nicht für den Frieden oder die Zivilisation. Es wird um die Aneignung des Staates gekämpft.“ Nach etwa 10 Minuten unterbricht der Richter Şıks Rede und mahnt ihn, auf die Anklagepunkte einzugehen. „Wir erwarten von Ihnen nicht, dass Sie eine Kolumne schreiben“. Şıks Antwort: „Wenn Sie einfach warten, werden Sie sehen, dass das Teil der Verteidigung ist.“«

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